Vertiefung · Modul 1 von 5 · ca. 7 Min.
Bilanz, Finanzierung & technische Grundlagen
Deckungsgrad, technischer Zins, Rückstellungen und Umverteilung – die Sicht der Stiftung
Lernziele
- Sie lesen die Bilanz einer Pensionskasse und verstehen die Vorsorgekapitalien.
- Sie können Deckungsgrad, technischen Zins und Wertschwankungsreserve einordnen.
- Sie verstehen die systemfremde Umverteilung von den Aktiven zu den Rentnern.
Die Bilanz einer Pensionskasse
Der Grundlagenkurs hat gezeigt, wie das einzelne Altersguthaben entsteht (Modul «Sparen, Umwandlung & Verzinsung»). Hier geht es um die Gesamtsicht der Kasse. Vereinfacht stehen sich in der Bilanz gegenüber:
- Aktiven: das angelegte Vorsorgevermögen.
- Passiven: Vorsorgekapital der Aktiven (Sparguthaben), Vorsorgekapital der Rentner (Barwert laufender Renten), technische Rückstellungen (z. B. für Langlebigkeit, Pensionierungsverluste) und die Wertschwankungsreserve.
Die Rechnungslegung folgt Swiss GAAP FER 26, dem Standard für Vorsorgeeinrichtungen.
Der technische Zinssatz
Die Rentenverpflichtung ist nicht einfach die Summe aller künftig zu zahlenden Renten. Denn auf dem Kapital, das heute für die Renten reserviert ist, erwirtschaftet die Kasse bis zur Auszahlung noch Rendite. Deshalb muss heute weniger zurückgestellt werden, als die Summe der Zahlungen beträgt – man zinst die künftigen Rentenzahlungen ab. Je weiter eine Zahlung in der Zukunft liegt, desto länger kann das bestehende Kapital arbeiten und desto stärker wird sie abgezinst.
Genau diese angenommene Rendite ist der technische Zins. Ein tiefer technischer Zins ist vorsichtiger: Man rechnet mit weniger Rendite – und muss deshalb heute mehr Vorsorgekapital für dieselben Renten bereithalten. Ein tieferer technischer Zins macht die Renten in der Bilanz also teurer (höheres Rentnerkapital), dafür sind sie vorsichtiger finanziert. Die Wahl beruht auf der Empfehlung des Experten; zur Bewertung der Langlebigkeit dienen Generationentafeln (berücksichtigen die weiter steigende Lebenserwartung) oder Periodentafeln.
Rechenbeispiel: Senkung des technischen Zinses
Der Deckungsgrad (Art. 44 BVV 2)
Deckungsgrad = verfügbares Vorsorgevermögen ÷ versicherungstechnisch notwendiges Vorsorgekapital × 100.
Rechenbeispiel Deckungsgrad
- ≥ 100 % – die Verpflichtungen sind gedeckt.
- > 100 % – der Überschuss bildet die Wertschwankungsreserve (Zielgrösse je nach Anlagerisiko oft 10–18 %).
- < 100 % – Unterdeckung; je nach Höhe und Dauer sind Massnahmen nötig (siehe Vertiefung, Modul 4).
Wertschwankungsreserve – kein separater Topf
Pensionierungsverluste & systemfremde Umverteilung
Der Umwandlungssatz (im Grundlagenkurs erklärt) wirkt direkt auf die Bilanz: Ist er höher, als es technischer Zins und Lebenserwartung erlauben, entstehen bei jeder Pensionierung Verluste, die die Kasse zusätzlich aufbringen muss.
Rechenbeispiel Pensionierungsverlust
Systemfremde Umverteilung
Die geplante Senkung des gesetzlichen Mindestumwandlungssatzes auf 6,0 % wurde am 22.09.2024 an der Urne abgelehnt – er bleibt bei 6,8 %.
Selbsttest
0/3 beantwortet1. Was bewirkt ein tieferer technischer Zinssatz?
2. Wozu dient die Wertschwankungsreserve?
3. Wie entsteht die systemfremde Umverteilung?